Tec4Tic

Obwohl es eine Vielzahl von Studien zum Tourette Syndrom (TS) sowohl bei Kindern als auch Erwachsenen gibt, und viele Befunde darauf hindeuten, dass insbesondere die Basalganglien und damit verbundene frontale kortikale Areale eine wichtige Rolle in der Pathophysiologie des TS spielen, existiert bislang kein übergeordnetes Konzept oder Model zum TS. Haupthindernis dabei ist das Fehlen einer kohärenten Theorie oder eines konzeptuellen Rahmens, welche die Phänomenologie des TS schlüssig erklären könnten. Üblicherweise werden Tics als Bewegungsstörungen klassifiziert. Allerdings unterscheiden sich Tics in vielerlei Hinsicht von 'klassischen' Bewegungsstörungen und stehen physiologisch auftretenden, allerdings überschüssigen, Bewegungen und Handlungen näher. Darüber hinaus deuten die besondere Beziehung zwischen 'Tics' und Vorgefühlen auf veränderte perzeptuelle Prozesse und die starke Aufmerksamkeitsabhängigkeit der Tic-Ausprägung auf Störungen in Aufmerksamkeits- und Handlungsauswahlprozessen hin, so dass in einem übergreifenden Konzept zur Erklärung des TS Wahrnehmungs- und Handlungsaspekte zu berücksichtigen sind. Hierzu bietet sich die 'Theory of Event Coding' (TEC) als konzeptueller Rahmen an. Diesem grundlegend neuen Ansatz soll in dieser Forschergruppeninitiative 'TEC 4 Tic' nachgegangen werden.

Dieses Projekt ist eine Kooperation der Forschungsbereiche "Experimentelle Entwicklungspsychopathologie" und "Kognitive Neurohphysiologie" sowie der Universität zu Lübeck und wird durch die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) gefördert.


An dieser Studie können Kinder (ab 8 Jahren), Jugendliche und Erwachsene

  •  mit einer aktuellen Tic-Störung,
  •  mit einer vorangegangenen Tic-Störung,
  •  oder welche gesund sind,

teilnehmen.

Projekt P6: 
Ziel des Projektes ist es, ein neues Paradigma zu entwickeln, mit dem Tic‐ähnliches Verhalten bei gesunden Personen und Koprolalie bei Patienten mit Gilles de la Tourette Syndrome (GTS) ausgelöst werden kann. Der Fokus liegt hierbei auf dem Vergleich zwischen experimentell induzierten Flüchen gesunder Kontrollprobanden und ebenfalls experimentell ausgelöster Koprolalie (als komplexer Tic) bei GTS Patienten. Wir erwarten, dass sowohl Flüche ansonsten Gesunder als auch Koprolalie bei GTS Patienten in sog. 'event files' als Kernbestandteile der 'Theory of Event Coding' (TEC) abgelegt sind und sich z.B. durch Stress oder einen bestimmten affektiven Kontext auslösen lassen.

An diesem Projektteil können Männer und Frauen
  • im Alter von 16-50 Jahren
  • mit einer Tic-Störung/dem Tourette-Syndrom ODER
  • nicht betroffene Personen
teilnehmen.

Arbeitsgruppen: Kognitive Neurophysiologie & Experimentelle Entwicklunspsychopathologie

Weitere Informationen zur Studie finden Sie im dazugehörigen Flyer .